• Wenn aus Schulen Auffangbecken werden

    Neu ist im Schulnetzplan vieles, darunter auch die 150. und die 151. Oberschule. Beide Schulen sind wichtig – doch es gibt einen Haken.

    Im Schulnetzplan sind auch einige Neugründungen aus dem Bereich der Oberschulen geplant. Besonders interessant sind die neue 150. und 151. Oberschule. Die 150. Oberschule soll im Schuljahr 2018/19 und die 151. Oberschule im Schuljahr 2020/21 gegründet werden. Beide Schulen sind bereits beschlossene Sache, und sollen auf die steigenden Schülerzahlen in ihren Stadtteilen reagieren. Grundsätzlich kann man das gutheißen, schließlich verhindern beide Projekte auch überfüllte Klassen und schaffen zwei neue, moderne Schulen. Eine rundum gute Idee – wären da nicht ein paar Rechenprobleme.

    Denn beide Schulen sind, bereits jetzt vor der Gründung, nicht nur für die Versorgung ihres Stadtteils eingeplant. Beide Schulen sollen auch aus den Stadtteile in der Umgebung Schüler aufnehmen, teilweise mit einer deutlichen Entfernung zur Schule, damit entstehen lange Schulwege für die betroffenen Schüler. Leider können die sich das nicht aussuchen: Die Schulplätze, die an der 150. und 151. geschaffen werden, fehlen in anderen Stadtteilen, und sollen dort auch so schnell nicht geschaffen werden.

    Beispiel 150. Oberschule: Die Schule soll im Dresdner Süden errichtet werden und wird in Zukunft dort Schüler aufnehmen. Doch die Verwaltung will, und das schreibt sie auch so im Schulnetzplan, ebenso Schüler aus dem Dresdner Westen an die Schule schicken und ihnen so lange Schulwege aufdrücken. Grund dafür: Im Westen der Stadt gibt es nicht genug Schulplätze, also entweder die Klassen werden vollgestopft oder die Schüler müssen weit zur Schule fahren. Damit wird die 150. Oberschule zum Auffangbecken für große Teile der Stadt. Bei der 151. Oberschule ist das Prinzip ähnlich, die Schule wird in der Neustadt eingerichtet. Dieses Vorgehen ist mehr als fraglich, denn damit verabschiedet sich die Stadtverwaltung von einem wichtigen Grundsatz der Schulnetzplanung: Da wo die Schüler sind, sollten auch die Schule stehen. Wo also mehr Schüler sind als in den letzten Jahren, da sollten also auch neue Schulen gebaut werden. Durch die ganze Stadt fahren ist, gerade für die jüngeren Schüler, eine unnötige Belastung.

    Wir haben eine klare Meinung dazu: Solche Auffangbecken soll es in Dresden nicht geben! Wo Oberschulplätze fehlen (wie im Westen der Stadt), da soll die Stadtverwaltung ihm Plätze schaffen. Ob dies durch Erweiterung bestehender Schulen oder die Gründung einer neuen Schule getan wird, das muss für jeden Stadtteil selber entschieden werden. Für den Stadtschülerrat gilt weiterhin: Da wo die Schüler sind, sollten auch die Schule stehen!

  • Sanierung ohne Plan im Dresdner Westen – Das GDC und der Schulnetzplan

    Eines der größten Gymnasien der Stadt, das seit Jahren für den schlechten Zustand seines 100 Jahre alten Hauses bekannt ist – und trotzdem gibt es keinen Sanierungsplan. Der Umgang mit dem Gymnasium Dresden-Cotta (GDC) ist unsere erste Schulnetzplan-Panne.

    Wir beginnen unsere Reihe über die sieben größten Pannen im neuen Schulnetzplan mit einem alten Problem. Im Grunde sogar fast 110 Jahre alt. Die Rede ist vom Gymnasium Dresden-Cotta, genau gesagt von seinem Schulgebäude. Seit Jahren ist bekannt, dass der alte Erlwein-Bau von 1910 sanierungsbedürftig ist. Das Gymnasium Dresden-Cotta liegt im Westen Dresdens, es ist das westlichste Gymnasium der Stadt, und für viele dort wohnende Schüler das einzige in Frage kommende Gymnasium, vorausgesetzt sie wollen lange Schulwege vermeiden. Das Schulhaus müsste dringend erneuert und renoviert werden. In der Vergangenheiten gab es einige Teilsanierungen – allerdings eben nur als TEILsanierung, die jeweils die dringendsten Probleme behoben haben. Damit wurde der Schule zwar kurzfristig geholfen, doch es bleibt ein großer Haufen an Arbeit, der noch vor der Stadtverwaltung liegt, wenn die Schule saniert wird.

    Doch genau hier ist das Problem, denn im Rathaus zeigt man bisher wenige Anstrengungen, sich dem Problem zu stellen. Bereits 2012, beim letzten Schulnetzplan, dachte der SSR laut über die Sanierung des GDC nach und setzte schlussendlich den Neubau der Turnhalle durch. Dass dem nun eine Sanierung des Schulhauses folgt, ist für den Stadtschülerrat selbstverständlich. Die Verwaltung sieht das anders, sie will zwar grundsätzlich sanieren, doch mit einer konkreten Zeitplanung hält man sich lieber zurück. Der Wille zur Sanierung freut uns natürlich, doch der Wille allein reicht bei weitem nicht. Und hier wird es spannend: Einen Plan für die Sanierung gibt es nicht wirklich, und das gibt die Verwaltung sogar offen zu. Im Schulnetzplan klingt das dann so: „Die Sanierung des Schulgebäudes bedingt eine Bauauslagerung, bezüglich Finanzierung, Bauzeit und Auslagerungsort bestehen noch Unsicherheiten.“ Heißt: Bei einer Sanierung müssen die Schüler vorrübergehend an einem anderem Ort unterrichtete werden, allerdings weiß noch niemand wo das sein wird, für wie lange und wie teuer das ganz wird. Bei über 900 Schülern mit ca. 100 Lehrern ist das keine unwesentliche Frage, und braucht eine entsprechend gute und langfristige Planung. Mit diesem Vorgehen hält man sich ein Hintertürchen offen: Solange es keinen Plan gibt, kann man weder gegen einen Plan verstoßen noch kann man überhaupt anfangen. Das hilft der Verwaltung, die sich so in Ruhe ihren eigenen Zeitplan stricken kann. Doch das hilf den Schülern nicht, wenn sie fragen, wann ihre Schule denn endlich saniert wird. „Die Verwaltung überlegt sich dazu etwas.“ ist keine gute Antwort auf diese Frage, sagen wir.

    Der Stadtschülerrat Dresden hat eine klare Antwort: Das GDC muss saniert werden, und zwar möglichst schnell. Dass man die Sanierung als Ziel festschreibt ist erfreulich, doch reicht nicht. Die Pläne dafür sollte spätestens Mitte nächsten Jahres vorgestellt werden. Eine Schulgemeinschaft von über 1000 Personen auszulagern ist kein Kinderspiel, und muss präzise geplant werden. Jeder Schüler und seine Eltern müssen erfahren, wann es los geht, wohin die Schüler in der Zeit ausgelagert werden und ab wann das GDC wieder in altem Glanz erstrahlt. Bei der Finanzierung sollten sich sowohl der Finanzbürgermeister als auch der Stadtrat kompromissbereit zeigen – schließlich hat man durch das Abschieben der Sanierung lang genug Geld gespart.

     

    DESWEGEN: DIE KOMPLETTSANIERUNG DES GDC IST NICHT VERHANDELBAR, DIE SCHULVERWALTUNG MUSS IHREN WORTEN ENDLICH TATEN FOLGEN LASSEN.

    Bildquelle: http://de.freepik.com/vektoren-kostenlos/ehrfurchtigen-schwarzen-hintergrund-mit-gold-schneeflocken-fur-weihnachten_978400.htm

  • Der Schulnetzplan – Was man dazu wissen muss

    Der Begriff geistert regelmäßig durch die Presse, Schulleiter und Politiker reden drüber –  doch kaum einer kann damit was anfangen. Warum ein Schulnetzplan trotzdem jeden Schüler betrifft und was er überhaupt ist – eine kurze Info.

    In Sachsen gibt es in Sachen Schulen eine klare Regelung. Die Schulen an sich (also die Schulhäuser, die Grundstücke und die Sportplätze dazu) gehören der Stadt, in der diese steht. Bei uns heißt das: alle staatlichen Schulen gehören, zumindest sobald es um das Gebäude geht, der Stadt Dresden. Die Stadt Dresden ist also Schulträger – weil sie die Kosten für die Schulen trägt. Als Schulträger muss Dresden sich darum kümmern, das die Schulhäuser regelmäßig saniert werden, das Schäden repartiert werden und Modernisierungen stattfinden. Ebenso muss der Schulträger dafür sorgen, dass jeder Schüler einen Schulplatz bekommt, also bei Bedarf neue Schulen bauen, wenn es mehr Schüler gibt.

    Natürlich kann die Stadt Dresden nicht einfach so irgendwelche Schulen bauen, es gibt ein paar Dinge auf die geachtete werden muss.

    1. Jeder Schüler soll möglichst nah an seinem Wohnort zur Schule gehen können, um ewig lange Schulwege zu vermeiden. Die Schulen müssen also klug über die Stadt verteilt werden. Gleichzeitig muss man wissen, wie viele Schüler man erwartet, um eine sinnvolle Zahl an Klassen festzulegen. Die Größe der Klassen ist vorgeschrieben: Es sollen zwischen 25 und 28 Personen sein.
    2. Es muss eine ausreichende Zahl an Oberschulen und Gymnasien geben. Da sich jeder Schüler nach der Grundschule zwischen Oberschule und Gymnasium entscheiden kann, muss für beide Schularten genau geplant werden: Nicht zu wenige Plätze, damit alle Schüler aufgenommen werden können, aber auch nicht zu viele, um kein Geld sinnlos auszugeben.
    3. Schulen müssen auf geeigneten Grundstücken gebaut werden. Die Grundstücke müssen groß genug sein, es muss eine Turnhalle gebaut werden (oder zumindest eine in der Nähe sein) und man muss mit Bus bzw. Straßenbahn gut zur Schule hinkommen.

    Das Ganze erfordert eine Menge Planung. Eine Menge an Zahlen und Daten müssen ausgewertet und alle Vorschriften berücksichtigt werden. Am Ende schreibt die Verwaltung im Rathaus einen Plan darüber – der Schulnetzplan. Im Grunde ist er ein langes Verwaltungsdokument, in dem zum Beispiel folgendes aufgeschrieben wird:

    1. Wo welche Schulen liegen,
    2. Wie viele Schüler wo zur Schule gehen können,
    3. Welche Schulen wo und wann neu gebaut werden,
    4. Welche Schulen wo und wann saniert werden,
    5. Wie viele Schüler in Zukunft in Dresden zur Schule gehen und was das für die zukünftige Planung bedeutet.

    Damit hat der Schulnetzplan Einfluss auf jede Schule und jeden Schüler. Alle fünf Jahre wird der Plan aktualisiert („fortgeschrieben“) und gilt dann weitere fünf Jahre. Und aller fünf Jahre wird unter anderem der Stadtschülerrat aufgefordert, im Namen von uns Schülern dazu Stellung zu nehmen. Für uns eine besonders gute Gelegenheit, auf Missstände an den Schulen in Dresden aufmerksam zu machen – denn was wir hier für euch durchsetzen, wird die Verwaltung in den nächsten fünf Jahren umsetzen.

    Unsere Stellungnahme ist hier zu finden: http://ssr-dresden.de/downloads/Stellungnahme_SSR_Schulnetzplanentwurf2016.pdf

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