Pressemitteilung: Dresdens Schulalltag mit Corona – eine Zwischenbilanz

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Das Schuljahr 2019/20 endete angesichts der Corona Pandemie unter besonders erschwerten Bedingungen für Schüler, Lehrer und Eltern. Eine wochenlange Schulschließung und ein anschließender Wechsel aus Präsenzunterricht und häuslicher Lernzeit erforderte von allen Beteiligten ein außergewöhnliches Engagement. Dank des schülerorientierten Agierens des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus konnten jedoch die Auswirkungen der Pandemie auf Schülerinnen und Schüler weitgehend eingedämmt werden. Nun gilt es den Fokus auf das neue Schuljahr zu legen, Zurückgebliebenes aufzuarbeiten und den Regelbetrieb unter zumutbaren Bedingungen wieder aufzunehmen.

Der Rückblick

Kultusminister Piwarz hat von Beginn an der Krise immer wieder betont, dass die Abschlussprüfungen unverändert stattfinden sollen und so für klare Verhältnisse gesorgt. Schulen bekamen durch die kostenlose und unbürokratische Bereitstellung von „LernSax“ Unterstützung in der Umsetzung der häuslichen Lernzeit. Mit der Vorstellung des Drei-Stufen-Plans im April wurde allen Schülern eine Perspektive gegeben und eine zeitnahe Rückkehr zum unverzichtbaren Präsenzunterricht ermöglicht. Die darauffolgende Sonderregelung zur Notenvergabe, schulindividuelle Hygienemaßnahmen und die Möglichkeit zum Aufarbeiten von Lernbereichen in freiwilligen Konsultationen in den Sommerferien sorgten dafür, dass dies kein verlorenes Halbjahr war.

„Sachsen hat seine Schülerinnen und Schüler nicht im Stich gelassen – im Gegenteil. Das Kultusministerium hat die Schülerinteressen in den Vordergrund seiner teils kritisierten Entscheidungen gestellt und damit dem Prüfungsjahrgang 2020 einen vollwertigen Abschluss gesichert. Die zeitnahe Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in allen Klassenstufen war keine einfache, aber die richtige Entscheidung und verhinderte größere Wissenslücken in der häuslichen Lernzeit. Der Präsenzunterricht fand an Dresdner Schulen unter höchstmöglichem Infektionsschutz und im größtmöglichen Umfang statt. Dafür danken wir allen Beteiligten“, so der Stadtschülersprecher Jack MÜLLER.

Festgestellte Defizite

Trotz des beispielgebenden Krisenmanagements des Kultusministeriums zeigt die Corona Pandemie wesentliche Defizite bei der Digitalisierung von Dresdner Schulen auf. Gerade zu Beginn der häuslichen Lernzeit war es vielen Schulen nur unzureichend oder gar nicht möglich, Unterrichtsinhalte digital zu vermitteln. Es fehlten technische Voraussetzungen und IT-Kenntnisse, sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Schulen und Lehrern. MÜLLER dazu: „Es gibt Dresdner Schulen, die nicht einmal eine eigene Website oder E-Mail-Adressen für die Lehrer besitzen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch einige, die bereits seit Jahren mit eigens entwickelter Software und mobilen Apps arbeiten. Diese Diskrepanz wirkte sich sehr auf die Qualität des Lernens im Homeoffice aus.“

Ferner gilt es nun, schülerindividuell Wissensrückstände aufzuspüren und aufzuarbeiten. Denn trotz frühzeitiger Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts, gibt es eine nicht zu vernachlässigende Anzahl von Schülern, die im Homeoffice keine optimalen Lernerfolge erzielen konnten.

Der Ausblick

Im Laufe des nächsten Schuljahres muss darauf geachtet werden, ob alle prüfungsrelevanten Themen entsprechend des im Lehrplan festgelegten Umfangs behandelt werden können. Sollte sich dabei herausstellen, dass es insbesondere in den Prüfungsjahrgängen schulübergreifend bedeutende Wissensrückstände gibt, so muss es aus Sicht des SSR Dresden einen verhältnismäßigen Nachteilsausgleich bei den Abschlussprüfungen 2021 geben. Das Schuljahr 2020/21 bietet jedoch noch einige Zeit, um zu kurz gekommene Lernbereiche zu festigen. Demzufolge sehen wir im Moment keine Notwendigkeit, Maßnahmen zu treffen. Entscheidend dafür sollte aber der Wissensstand der Schülerinnen und Schüler am Ende des 1. Halbjahres sein.

Mit der Umsetzung des Vier-Stufen-Plans wurde eine adäquate Lösung für die Wiederaufnahme des Normalbetriebs gefunden. Dass vom Kultusministerium bewusst Möglichkeiten zur individuellen Umsetzung der Infektionsschutzmaßnahmen geschaffen werden, ist eine flexible Methode, damit Schulen unter anderem auf ihre baulichen Besonderheiten Rücksicht nehmen können. Jedoch lehnen wir zugleich eine Mas- kenpflicht während des Unterrichts strikt ab.

„Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Unterricht, wie sie derzeit beispielsweise in Nordrhein-Westfalen besteht, ist lebensfern. Schüler werden in ihrer Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit nachhaltig eingeschränkt und erzielen folglich weniger Lernerfolge. Auch unter Beachtung der Sächsi- schen Corona-Schulstudie und den aktuellen Infektionszahlen in Dresden, wäre eine Maskenpflicht im Unterricht unverhältnismäßig und überreagiert. Wir fordern die Dresdner Schulleitungen deshalb eindringlich dazu auf, von einer Maskenpflicht im Unterricht abzusehen“, so MÜLLER, „Es ist effektiver, es sitzt nur die halbe Anzahl an Schülern ohne Masken im Unterricht, statt die Ganze mit Maske.“

Sollten die Infektionszahlen wieder steigen und verschärfte Hygienemaßnahmen erforderlich werden, wäre zunächst eine Rückkehr zum zeitweisen Wechsel aus Präsenzunterricht und Homeoffice an betroffenen Schulen sinnvoll, wie es bereits vor den Sommerferien der Fall war. Um auf eine mögliche Rückkehr in die häusliche Lernzeit besser vorbereitet zu sein, sollten Schulen, Schulträger und Land ihr Angebot an digitalen Unterrichtsmöglichkeiten und technischer Ausstattung von Schülern und Lehrern erweitern.