Position des LandesSchülerRats Sachsen

©LSR Sachsen

Wir verfolgen stetig die aktuelle Situation und die neu getroffen Entscheidungen über die Ausbreitung des „SARS-CoV-2“-Erregers (Umgangssprachlich: Coronavirus). Insbesondere über die Abschlussprüfungen ist in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert wurden, mit
unterschiedlichen Ergebnissen je nach Bundesland.

Zu einem Entfallen oder Verschieben der Prüfungen:

Joanna Kesicka, Vorsitzende Landesschülerrat Sachsen, ©LSR Sachsen

„Es muss darauf geachtet werden, dass die Chancengleichheit zwischen den Abschlussjahrgängen
gegeben ist, insbesondere denen welche ab 2021 kein ′Corona-Abitur′ erhalten“, so unsere Vorsitzende Joanna. Ein Abitur ohne schriftliche und mündliche Prüfungen für das Abschlussjahr 2020
widerspricht dem. Bei einem solchen Notabitur wäre aus unserer Sicht keine faire Behandlung im Vergleich zu folgenden Jahrgängen möglich. Zudem besteht die Sorge, dass so ein Abitur nicht überall im In- und Ausland anerkannt wird und dem aktuellen Jahrgang damit Wahlmöglichkeiten in Bezug auf Ausbildung, Studium und Beruf nimmt.

Falls es dazu kommen sollte, dass die Prüfungen von den Gesundheitsbehörden untersagt werden, muss man zwar über ein Notabitur nachdenken, so sehen wir es auch .. Solange die notwendigen Schutzmaßnahmen in den Schulen aber möglich sind, sollten die Prüfungen stattfinden.

„Die Verschiebung der Termine in Sachsen ist eine ungünstige Variante, aber ein Schritt vor der Maßnahme eines Notabiturs. Jede Verschiebung heißt auch, dass das Zeugnis später vorliegt. Dies kann wiederum für Bewerbungsfristen o.Ä. Nachteile schaffen, was von keinem gewollt wäre. Ob eine Verschiebung wirklich hilft, ist dementsprechend fraglich. Sie wäre trotzdem sinnvoller als eine komplette Absage der Prüfungen“, so Joannaweiter.

Zu einem möglichen Nachteilsausgleich:

In jedem Fall ist festzustellen, dass die Prüfungssituation in diesem Jahr eine andere ist als in den vorherigen Jahrgängen. Folglich sollte zeitnah über einen Nachteilsausgleich entschieden werden, nach dem Vorbild der vergangenen Woche in Baden-Württemberg getroffenen Entscheidung. Dort wurde vereinbart, die Erst- und Zweitkorrektur dieses Jahr jeweils schulintern durchzuführen, im Falle einer Drittkorrektur soll, statt durch einen weiteren Prüfer, im Dialog zwischen Erst- und Zweitkorrektor eine Note festgelegt werden. Joanna dazu: „Eine solche rein schulinterne Korrektur wäre auch für Sachsen eine sinnvolle Entscheidung. Insbesondere die Regelung zur Drittkorrektur würde als eine Art Auffangnetz für alle kritischen Fälle wirken, für Schülerinnen und Schüler die wegen des Corona-Selbststudiums große Defizite haben. Zudem kann ein schulinterner Zweitkorrektor, im Rahmen der Erwartungsbilder, auf mögliche schulinterne Probleme, z.B. technischer Natur, während der Quarantäne-Zeit eingehen. Hier würde auf schwierigere Vorbereitung mit milderer Bewertung reagiert, für uns ein guter Nachteilsausgleich“, so unsere Vorsitzende.

Auch über eine weitere Maßnahme sollte zumindest nachgedacht werden, Joanna dazu: „Für den Fall, dass die Prüfungsergebnisse tatsächlich deutlich negativ von den Vorjahren abweichen, sollte man eine generelle Notenanhebung diskutieren. Nicht zwingend um ganze Noten, eher im Bereich von Zehnteln einer Note. Am Beispiel Hamburg haben wir in den vergangenen Jahren gesehen, dass so etwas aus anderen Gründen möglich war, im Ernstfall sollte auch Sachsen so etwas prüfen.“

Für Schülerinnen und Schüler, welche zu regulären Prüfungsterminen verhindert sind, stehen zusätzliche Nachholtermine zur Verfügung. Diese Entscheidung unterstützen wir.

Zur bundesweiten Vergleichbarkeit:

„Sachsenweit gibt es aktuell ca. 13.000 Abiturienten, selbstverständlich sind die Meinungen untereinander nicht gleich, ABER alle sind sich darin einig: Es darf keine Nachteile für Sachsen geben.“, so Joanna. „Wir wollen eine vergleichbare Behandlung der Schülerinnen und Schüler aller Bundesländer, dies ist nicht gegeben, wenn einzelne Länder auf Abschlussprüfungen verzichten würden und andere nicht. Wir wollen deutlich sagen: Sollten einzelne Länder erneut versuchen ohne Zwang auf Prüfungen zu verzichten, während die Mehrheit daran festhält, muss die KMK einschreiten.“, so unsere Vorsitzende.

Häufige Fragen und Antworten zu Abschlussprüfungen und Leistungserhebungen

Stand: 31.03. 13:08 Uhr

Werden die Prüfungen stattfinden?

Die zentralen Prüfungen werden nach jetzigem Stand stattfinden. So wurde es durch die Kultusministerkonferenz am 25. März beschlossen.

  • Schülerinnen und Schülern werden keine Nachteile aus der jetzigen Ausnahmesituation erwachsen. Noch in diesem Schuljahr können sie ihre Abschlüsse erwerben.
  • Die Prüfungen, insbesondere die schriftlichen Abiturprüfungen, finden zum geplanten bzw. zu einem Nachholtermin bis Ende des Schuljahres statt, soweit dies aus Infektionsschutzgründen zulässig ist. Schülerinnen und Schüler müssen eine ausreichende Zeit zur Vorbereitung erhalten. Die Prüfungen können auch in geschlossenen Schulen stattfinden, sofern es keine entgegenstehenden Landesregelungen gibt.

Speziell zur Vorbereitung und Durchführung der Abiturprüfungen hat sich Sachsens Kultusminister Christian Piwarz am 27. März in einem Brief an alle Abiturientinnen und Abiturienten gewandt.

Häufige Fragen

Da nicht vorhersagbar ist, wie sich die Ausbreitung des Virus in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird, gehen die untenstehenden Antworten von der aktuellen Lageeinschätzung aus. Sie werden entsprechend durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus bei einer Änderung der Situation umgehend aktualisiert.

Der Geltungsbereich der folgenden Antworten bezieht sich auf

  • Abiturprüfung an allgemeinbildenden Gymnasien, Abendgymnasien und Kollegs, beruflichen Gymnasien,
  • Abschlussprüfung an Fachoberschulen/Prüfung zum Erwerb der Fachhochschulreife in beruflichen Bildungsgängen (Zusatzbaustein Fachhochschulreife an Fachschulen) und Abschlussprüfung an Förder- und Oberschulen.

Was passiert, wenn eine Schule im Prüfungszeitraum geschlossen ist, Schüler erkrankt oder in Quarantäne sind?

Natürlich können nur gesunde Schüler eine Prüfung absolvieren. Deshalb gibt es grundsätzlich – wie in den Vorjahren – auch 2020 zentrale Nachtermine für Schüler, die wegen Krankheit nicht an der Prüfung teilnehmen können. Da eine Quarantäne i. d. R. für 14 Tage angeordnet wird, die Zeit bis zum Nachtermin aber länger ist, besteht durchaus eine gute Chance, dass das auch 2020 funktioniert.

Möglicherweise werden deutlich mehr Schüler am Nachtermin teilnehmen. Für Schüler, die zu beiden Terminen verhindert sind, wird es einen weiteren Termin geben.

Wenn die Schließzeit der Schulen so lange andauern müsste, dass die Prüfungen ganz verschoben werden, was wird dann z. B. mit der Bewerbung für ein Hochschulstudium bzw. die Aufnahme einer Berufsausbildung?

Da es sich hier um eine deutschlandweit bisher einmalige Ausnahmesituation handelt, werden die Kultusministerkonferenz und die Stiftung Studienzulassung sowie die Einrichtungen der Berufsausbildung hier gemeinsam Lösungen finden.

Wie wird sichergestellt, dass der gesamte Stoff bis zur Prüfung behandelt wurde?

Grundsätzlich ist die jetzige Situation durch höhere Gewalt bedingt und stellt in allen Bundesländern eine hohe Herausforderung für Schüler und Lehrer dar.

Der zur Prüfung benötigte Unterrichtsstoff sollte jetzt weitestgehend behandelt worden sein. Die Lehrpläne für die Jahrgangsstufe 12 an allgemeinbildenden Gymnasien bzw. 13 an beruflichen Gymnasien und Klassenstufe 12 an Fachoberschulen sind z. B. für insgesamt „nur“ ca. 22 Unterrichtswochen ausgelegt, um Zeit und Freiraum für die Prüfungsvorbereitung zu haben. In den Lehrplänen der Förder- und Oberschulen ist in Klassenstufe 10 für 20 Wochen Unterrichtstoff ausgewiesen, damit auch hier ausreichend Zeit für Wiederholung und Übung zur Verfügung steht.

Lehrer werden jetzt Aufgaben zur Übung und Lernaufträge für das Selbststudium/Selbstlernen so zusammenstellen, dass die Schüler sich unter den gegebenen Bedingungen bestmöglich auf die Prüfungen vorbereiten können. Dabei wird dafür Sorge getragen, dass noch nicht behandelter Stoff im Selbststudium/durch Selbstlernen nachzuholen ist bzw. erarbeitet werden kann. Bei Rückfragen sollten die Schüler die in der Schule vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, so bspw. Chaträume, Lernplattformen. Letztlich sind auch klassische Wege wie das Telefon denkbar, um seinen Lehrer zu konsultieren. (Außerdem müssen auch telefonische oder digitale Wege der Kommunikation zwischen Schule und Prüfungsteilnehmern sowie digitale Lernplattformen genutzt werden. Auch Konsultationen sind über digitale Medien denkbar.)

Gibt es Auswirkungen auf die mündlichen Prüfungen?

Hier sind die Auswirkungen am geringsten, da man nicht an landeseinheitliche Termine gebunden ist und die Schulen die Prüfungstermine individuell festlegen können.

Wie erfolgt die regelmäßige Kommunikation zwischen Schulen und Prüfungsteilnehmern?

Da jede Schule inzwischen bereits eigene digitale und analoge Kommunikationswege, z. B. über die Homepage der Schule und entsprechende Schülerzugänge praktiziert, wird das Sächsische Staatsministerium für Kultus keine Regeln vorgeben. Prüfungsteilnehmer müssen in geeigneter Form über aktuelle Entwicklungen informiert werden.

Wie erfahre ich, dass ich zur Prüfung zugelassen wurde?

Die eventuelle Nichtzulassung zur Prüfung teilen die allgemeinen und beruflichen Gymnasien am 3. April 2020 schriftlich den betreffenden Schülern mit. Die Zulassung erfolgt im Regelfall mündlich. Das kann in diesem Jahr auch telefonisch, per Mail, schriftlich oder über andere Kommunikationswege der Schule erfolgen. Schüler können gegebenenfalls auch selbst telefonisch oder elektronisch nachfragen.

Wie läuft die BLF am allgemeinbildenden Gymnasium?

Die Ersttermine sind abgeschlossen. Die Nachtermine werden abgesagt. Sollten Schulen am 16. März 2020 schon Nachtermine im Fach Deutsch geschrieben haben, so werden diese bewertet und bei der Festlegung der Fachnote als Klassenarbeit mit doppelter Wichtung berücksichtigt.

Wie verhält es sich mit den Nachterminen zum Aufnahmeverfahren an den allgemeinbildenden Gymnasien mit vertiefter Ausbildung?

Grundsätzlich werden diese Termine abgesagt. Die Gymnasien mit vertiefter Ausbildung vereinbaren individuelle Nachtermine mit den betreffenden Schülern bzw. deren Eltern.

Wie werden die Noten für das Kurshalbjahr 12/II an allgemeinbildenden Gymnasien bzw. 13/II an beruflichen Gymnasien und die Jahresnoten an Oberschulen ermittelt?

Die Ermittlung der Noten erfolgt auf der Grundlage der in diesen Kurshalbjahren bereits erfolgten oder ggf. noch bis zur Ausgabe des Kurshalbjahreszeugnisses am 18. Juni 2020 erfolgenden Leistungsbewertungen. Näheres regelt ein spezieller Erlass des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus.

Wie geht man mit den Fehlzeiten um?

Die jetzt auflaufenden Fehlzeiten sind keine Schulferien, sondern Lernzeiten unter besonderen Bedingungen. Sie werden weder als entschuldigte noch als unentschuldigte Fehlzeiten erfasst. Auf den Abschluss- und Abiturzeugnissen werden ohnehin keine Fehlzeiten ausgewiesen.

Welche Besonderheiten gelten für die Prüfungen an der Fachschule, Fachbereich Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege?

Die schriftlichen Prüfungen an der Fachschule, Fachbereich Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege werden im vorgesehenen Zeitraum vom 23. März bis zum 3. April 2020 nicht durchgeführt.

Voraussichtlich wird die schriftliche Prüfung im Prüfungszeitraum vom 10. Juni bis 26. Juni 2020 stattfinden.