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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer kündigte in einer Pressekonferenz am 08.12.2020 die Häusliche Lernzeit für Schülerinnen und Schüler ab dem 14.12.2020 an. Entsprechend eines Entwurfs zur neuen Corona-Schutz-Verordnung, der dem StadtSchülerRat Dresden vorliegt, werden „Schulen, einschließlich der Schulinternate […] mit Ausnahme einer unter Voraussetzungen […] möglichen Notbetreuung geschlossen“. Diese und weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der hohen Corona-Infektionszahlen, sollen am Freitag im Sächsischen Kabinett beschlossen werden. Der StadtSchülerRat erachtet die erweiterten Maßnahmen zum Infektionsschutz an Schulen zwar im Grundsatz für notwendig und richtig, verweist aber zugleich auf die enormen Herausforderungen, die mit einer pauschalen Schulschließung einhergehen.

„Die Meldung der allgemeinen Schulschließung kommt, wie bereits im Frühjahr, für Schülerinnen und Schüler sehr überraschend. Noch bis vor wenigen Wochen weigerte sich das Kultusministerium Wechelmodelle, wie vom StadtSchülerRat Dresden gefordert, anzuwenden und verwies dabei auf das geringe Infektionsgeschehen innerhalb der Schulen. Kultusminster Piwarz sagte damals: ‚Wer Wechselunterricht fordert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine verlorene Schülergeneration heranzuziehen‘. Nicht einmal drei Wochen später stehen wir kurz vor einer Situation, die mit großer Sicherheit partiell tiefgreifende Wissenslücken und gefährdete Abschlüsse fordern wird, insbesondere wenn die Schulschließungen über den 08.01.2021 hinaus anhalten“, fasst unser Vorsitzender Jack MÜLLER zusammen, „Das frühere Ergreifen von Maßnahmen hätte möglicherweise die komplette Schließung von Schulen, wie es uns jetzt bevorsteht, verhindern können.“

Die Abschlussklassen sieht der StadtSchülerRat Dresden durch die Aussetzung des Präsenzunterrichts besonders gefährdet. An vielen Dresdner Schulen waren Schülerinnen und Schüler über mehrere Wochen in Quarantäne und haben infolge dessen zahlreiche Leistungskontrollen verpasst, die sie nun nachholen müssten. Hauptsächlich in den Abschlussklassen der Gymnasien, bei denen das erste Schulhalbjahr bereits am 18. Dezember endet, fehlen teils noch wichtige Noten für das Kurshalbjahr 12/I. Daher appelliert der StadtSchülerRat Dresden eindringlich, den Schulen bis zum Beginn der Weihnachtsferien freizustellen, Klausuren und Tests in Präsenz schreiben zu lassen und im Januar freiwillige Präsenzkonsultationen in den wichtigsten Fächern für Schüler der Abschlussklassen anzubieten. Insbesondere durch die Abwesenheit der anderen Klassenstufen, können die Abstands- und Hygieneregeln hierbei zuverlässig eingehalten werden.

Sollte sich die Häusliche Lernzeit über den 08.01.2021 hinaus erstrecken, so muss es aus Sicht des SSR Dresden eine deutliche Reduzierung der zu erbringenden Noten in allen Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen geben, wie es bereits gegen Ende des Schuljahres 2019/20 der Fall war. Zudem muss dann auch über weitere Nachteilsausgleiche für den Prüfungsjahrgang 2021 nachgedacht werden.

Grundsätzlich bleibt es abzuwarten, ob die für den digitalisierten Unterricht getroffenen Maßnahmen ausreichen, um eine vergleichbare Unterrichtsqualität zu gewährleisten. Sachsen hat sein Angebot an digitalen Unterrichtsinhalten und die Funktionen der Lernplattformen im Vergleich zum Frühjahr deutlich erweitert, was begrüßenswert ist. Zusätzlich wurden 4.300 Laptops durch die Landeshauptstadt Dresden für bedürftige Schülerinnen und Schüler bereitgestellt.

Trotz dieser ermutigenden Entwicklung ist die Umsetzung des digitalen Lernens noch sehr differenziert an Dresdner Schulen. Der Unterrichtsstoff wird auf verschiedenste Art und Weise vermittelt, mal mehr und mal weniger effektiv. Hierbei appelliert der StadtSchülerRat Dresden an die Schulleitungen ein schulinternes Konzept zu erstellen, das die Vermittlung von Unterrichtsinhalten einheitlich und genau regelt. Jede Schülerin und jeder Schüler sollte wissen, wann welche Aufgaben, aus welchem Fach und in welcher Form bearbeitet werden müssen und wo diese auffindbar sind. Inhalte des selbstständigen Arbeitens und interaktive Methoden, wie beispielweise Videokonferenzen, sollen dabei in einem ausgewogenen Verhältnis genutzt werden.

„Wir als StadtSchülerRat werden die Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen sehr genau verfolgen und auf mögliche Problemfelder weiter aufmerksam machen“, sagt Stadtschülersprecher Jack MÜLLER abschließend.